elektroansprache zum naZionalfeiertag
electro-speech for the naZional day
électro-discours pour la fête naZionale
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  Presse / Press  
     
 

DIE KUNST VON EINEINHALB STUNDEN IST WIDERSTAND. 2000-2001
Neue Videos zum alten Thema

Im Vorjahr hatte die Diagonale sehr kurzfristig eine Schiene eingeschoben, die filmische Arbeiten zum Regierungswechsel zum Inhalt hatte. Es handelte sich um Massen von Filmen und Videos (rund 50), kürzer oder länger, die an fünf Abenden (oder Nächten) projiziert wurden. Dieses Jahr kam es zur Fortsetzung - die Produktivität hat allerdings nachgelassen und die Filme mussten bis zu einem Stichtag eingereicht werden, wurden auch gesichtet. Die Auswahl ergab also nunmehr etwa 90 minuten, vs. 8 Stunden Material im Vorjahr.

Die gezeigten Arbeiten wurden mitunter auch anonym an das Kollektiv Die Kunst der Stunde ist Widerstand eingesandt. Es finden sich Collagen von Fernsehbildern, neben Manipulationen (vor allem akustischer Natur) und viele verstörende Bilder. Wenig ist hier lustig, obwohl auch der Zugang über Galgenhumor gesucht und gefunden wird.

Paradigmatisch dafür: "elektroansprache zum nazionalfeiertag" von Bady Minck, featuring Burghart Schmidt als Präsidenten, der über die Bedeutung der Null in dieser Regierung referiert und ihre im Indischen vorhandene Dialektik vermisst. Eine Komik par excellence, die sich auf dem realen Terrain diverser Regierungspläne bewegt. Pirouetten auf dünnem Eis, gewissermaßen.

Brutal mutet später die Dokumentation einer Amtshandlung der Wiener Polizei an. Am Michaelerplatz werden Demonstranten eingekesselt, an ein Schaufenster gedrückt. Kesselzeit: 1,5 Stunden. Dauer der Amtshandlung: 3 Stunden. Veranlassung: Demonstration gegen die Gewalt der Polizei. Bei soviel Abstrusem fällt es fast nicht mehr ins Gewicht, dass ein engagierter Karl Öllinger Krisenmanagement betreibt und zwischen den Fronten zu vermitteln sucht, die aus einer Front Polizisten und den Eingekesselten bestehen. Wie man nach den Projektionen erfährt, fand erst am Vortag eine Verhandlung vor Gericht statt. Ergebnis: Der Richter glaubt den im nachhinein konstruierten Anschuldigungen der Polizei gegen die Demonstranten (Körperverletzung) und attackiert die Verteidigung. Ein wahrhaft rechtsstaatlicher Zustand.

Etwas deprimiert wirken auch die wenigen anwesenden Urheber der filmischen Beiträge, einzig Bady Minck scheint noch Widerstandsenergie aufzuweisen, und verweist auf die erfolgreichen internationalen Screenings der Vorjahresfilme.

Dennoch: Welche Wirkung erzielen sie? Verstärken sie oberflächliche Betrachtungen Österreichs? Und wen erreichen sie in letzter Konsequenz?
So geschimpfte Wendephilosophen, Pragmatiker oder gar Krone-Stammleser? Viele offene Fragen, immer weniger künstlerische Antworten. Aber es bleibt immerhin Thema, sich mit politischen Umständen (welcher Art auch immer) auseinander zu setzen. Wieviel davon nach der ersten Welle an massiver und nicht immer differenzierter Ablehnung übrigbleibt, wird man sehen. Vielleicht im nächsten Jahr.

 
  Wolfgang Schmutz, Der Standard, 25.03.2001
http://elf.mur.at/diagonale2001/widerstand.html
 
     
     
 

Kino der Intervention

Das Kollektiv "Die Kunst der Stunde ist Widerstand" sowie der Verein "Echo" wurden gestern in Graz mit dem Diagonale-Preis
"Innovatives Kino" (mit 160.000 S dotiert) ausgezeichnet.
Die Jury begründete ihre Entscheidung unter Anderem damit, dass die beiden ausgezeichneten Projekte "exemplarisch für ein Kino der Intervention" stünden. Die Videokompilation "Die Kunst der Stunde ist Widerstand" sei "ein Zeichen dafür, dass ein Jahr nach der Machtergreifung der Rechten der politische Widerstand virulent" sei.

 
  APA  
     
     
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