Das Sein und das Nichts
Being and Nothingness
L'être et le Néant
<<
     
     
 

Kritiken

 
     
 

"Das Sein und das Nichts" transformiert ein Musikstück ins Visuelle und beschäftigt sich mit der Position des Menschen in diesem Klanglichtspiel.
Nach einem Prolog, in dem der Komponist und Dirigent Beat Furrer beim Beschaffen und Bearbeiten einer Schumann-Partitur gezeigt wird, ist die Aufführung des Stückes das Thema des Films: Während die Noten am Blick des Betrachters vorbeiziehen, erscheinen und verschwinden die Musiker des Klangforum Wien nach Maßgabe ihres akustischen Beitrags. So entsteht eine Choreographie der Töne, die Flüchtigkeit der Musik und ihre Unermesslichkeit wird in ein Ballett der Körper umgewandelt, das zwischen Präsenz und Abwesenheit die Instabilität des Seins als dialektisches Mikro-Spektakel feiert.
Die Lust am Klang produziert optische Wiedergänger, die, Notenköpfen gleich, über die Bildoberfläche huschen und die Komposition visuell rhythmisieren. Parallel zum Ausdünnen der musikalischen Textur werden im Finale auch die Bildeindrücke fragmentarischer: Ein Zucken am Rande der Wahrnehmung, ein nervöser Augenreiz, der sich schon halb im Unterbewussten ansiedelt. Bis am Schluß der Dirigent, der zuvor als Deus ex machina in den Hexenkessel der Töne hineingefahren ist, den Applaus in einem White Cube entgegennimmt. Weißes Quadrat auf weißem Grund, vollendete Entdramatisierung der großen Erzählung, Nullpunkt der Klangproduktion.
Das An-sich-sein, meint Sartre sinngemäß, ist veränderungsloses, unterschiedsloses reines Sein, eben die Seinsfülle ohne jede Negation. Quod erat demonstrandum.

 
  Thomas Miessgang  
     
     
 

Sie sehen was Sie hören in Bady Mincks visueller Umsetzung einer Original-Komposition von Beat Furrer. Der Dirigent Furrer erweist sich dabei als meisterlicher Dompteur von Zeit und Stille. Während die Dominanz der Musik über die Körper illustriert wird, verwandelt sich die Musik in ein lebendes Gemälde.

 
  Jason Buchanan, New York Times  
     
     
  Ein von Beat Furrer dirigiertes Orchester spielt ein Stück von Schumann. Die Filmemacherin spielt ihrerseits mit Bildern wie mit Noten und lässt die MusikerInnen erscheinen und verschwinden, ganz nach ihrem musikalischen Beitrag. Visuelle Partitur oder Kammerspiel, die Performance ist bereichernd und verspielt -- nicht schlecht wenn es um die Frage nach dem Sein und dem Nichts geht!  
  Festival du Nouveau Cinéma de Montréal  
     
     
  Für eine Komposition Furrers erfand Bady Minck in "Das Sein und das Nichts" eine geniale Umsetzung: Auf der Partitur positionierte sie Avatare der Klangforum-Musiker. Die virtuellen Musiker erschienen zu ihren Einsätzen in variabler Körpergröße. Das reale Orchester spielte synchron. So wurde die Dynamik der Partitur deutlich. Gelungener Auftakt!  
  Wiener Zeitung, 02.11.2007  
     
     
  Some very special treats await lovers of experimental films at this year's BIFF. Two eagerly anticipated titles, Bady Minck's "Being and Nothingness" and Guy Maddin's "Brand Upon the Brain!", from established artist-filmmakers are among the highlights.
Those who remember Bady Minck's incredible "In the Beginning was the Eye" will be overjoyed to hear of her latest outing. Like many in the avant-garde cinema, Minck brings a visual artist's eye to the meticulous composition of her mixed-media films, with the result that her mesmeric animations fully deserve the mantle of "fine-art film". "Being and Nothingness" continues her interest in inventive visual storytelling by extending her feeling for intense visual rhythms into the musical realm.
Minck's work is the latest in a long line of visual music experiments that visualise fantastic journeys into musical scores, providing delight to the ears, as well as eyes. The sinuous pleasures of synaesthesia - the blending of the senses so that one "hears" images and "sees" sound - as well as Minck's characteristic cheeky approach, lie in store for audiences with a penchant for experimental art.
 
  Danni Zuvela  
     
     
 
"Das Sein und das Nichts" visualisiert eine phantastische Reise in das Innere der Partitur. Die Musiker erscheinen und verschwinden wie Noten und Klänge. Bady Minck hat der Musik einen virtuellen Raum gegeben - vielleicht spielt die zentrale Szene des Films im Kopf des Dirigenten und Komponisten, der wie ein Zauberer mittels Handzeichen die Musiker exterminiert...
 
  Martin Pieper  
     
     
  Die humorvolle, beinah auch didaktisch verwendbare Art, wie Bady Minck in "Das Sein und das Nichts" die Mitglieder des fulminanten Klangforums Wien und Beat Furrer am Pult auf der Leinwand digital verdoppelte und in einer belebten Partitur auf ihren jeweiligen Notenzeilen immer nur dann aufblitzen ließ, wenn sie Töne von sich gaben, zeigte einen verblüffenden Gegensatz zwischen der eher ruhig fließenden Musikstruktur einer kleinen Schumann-Hommage aus Furrers eigener Feder und jener optischen Hektik, die ja ebenfalls aus den Noten abgeleitet wird.  
  Walter Weidringer, Die Presse, 03.11.2007  
     
     
  Erwähnenswert ist Bady Mincks neuester Film "Das Sein und das Nichts", der sich der Visualisierung einer Partitur des Komponisten und Dirigenten Beat Furrer verschrieben hat. So werden die Musiker des Klangforum Wien zu Darstellern ihres eigenen musikalischen Parts. Richter, Ruttman und Fischinger würden diesen filmischen Versuch über die Musik nur unterschreiben. Minck hatte auch im Publikumsgespräch die Gelegenheit, das gängige Missverständins auszuräumen, es handle sich bei ihren Filmen (zuletzt betraf das wohl "Im Anfang war der Blick") um Künstlerportraits.  
  Eutopia Austria  
     
     
  Aussen, bei Tag, eine Straße, ein Antiquariat, ein Buch öffnet sich und lässt eine Partitur erkennen, die Novelette n° 8 opus 21 von Schumann. Der Komponist und Dirigent Beat Furrer ist der Käufer und bald auch der Arrangeur dieser Partitur. "Das Sein und das Nichts" schlägt eine Variation von Jean-Paul Sartres Text vor, was durch den von Beat Furrer gewählten Titel des Musikstücks unterstrichen wird: Ein Lied, das über das Ende des Liedes hinaus ein anderes Ende finden wollte.  
  Katalog FID Marseille  
     
     
  Diagonale, die zehnte in Graz: es fiel bei dieser zehnten Auflage auf, wie sich eine erst fünf Jahre alte Produktionsfirma in die Höhe gespielt hat: Amour Fou war nämlich heuer mit elf Filmen von verschiedenen Gattungen im Programm vertreten. (...) Es gab auch regelrechte "Unfilme", von denen man sich wohl fragt, wie sie zur Vorführehre gekommen sind. Hiermit sind ausdrücklich nicht die deklarierten Experimentalfilme gemeint, denn wer sie anschaut, weiss ja, in welche Gewässer er sich begibt, und freut sich bei gelegentlichen schönen Überraschungen. Bady Minck benützt die Techniken des oft altmodisch genannten 35-Millimeter-Films, aber bis zu ihrer letzten Grenze - und gewinnt; "Das Sein und das Nichts" (Bild: Jörn Staeger, Martin Putz) ist ein gelungenes Beispiel der Umwandlung von Musik in Film.  
  Philippe Dérriaz, Kameramann 4/2007  
     
     
  Free Radicals: Kunstmatch zwischen Musik und Film
Man sah zunächst den Komponisten Beat Furrer mit seiner Partitur in einer Filmprojektion, dann kam er auch schon aufs Podium, um mit seinem "Lied, das über das Ende des Liedes hinaus ein anderes Ende finden wollte" zu eröffnen. Zugleich flimmerte der Film "Das Sein und das Nichts" über die Leinwand und zeigte, wie die Musiker vor der im Hintergrund ablaufenden Partitur spielten und synchron zu ihren Einsätzen ein- und ausgeblendet wurden.
Der Verdacht, dass die mit Bernhard Zachhuber vom Klangforum für das Konzept verantwortliche Bady Minck ihre witzigen Arbeiten, die den Abend einrahmten, in gutem Licht erscheinen lassen wollte, würde zu kurz greifen. Dennoch waren ihre Filme die schlüssigsten, die, auf unaufdringliche Weise selbstreflexiv, zuerst Dirigent und Ensemble auf die Leinwand projizierten, dann in "Schein Sein" ein Blatt Papier auf dem Schreibtisch der Filmemacherin zur Bühne machten und Momentaufnahmen aus ungewohnter Perspektive zeigten.
Der Umstand, dass der erste und letzte Film nicht nur eng an die Musik - zuletzt von Feldman - angelehnt waren, sondern auch mit Abstand die längsten visuellen Programmpunkte, holte das Experiment wieder auf sicheren Boden zurück.
 
  Daniel Ender, Der Standard, 03.11.2007  
     
     
  Synopsis  
     
 

"Das Sein und das Nichts" macht die Parameter der Entstehung von Musik filmisch sichtbar. Musik wird in Bilder gegossen - what you see is what you hear.

Der Dirigent fungiert als Dompteur der Zeit und als Herr über die Stille. Die einzelnen Musiker sind nur sichtbar in den extrem kurzen Zeiträumen, in denen sie spielen. Ihre Körper beginnen wie Noten auf einer filmisch visualisierten Partitur zu tanzen. Die voranschreitende Dekonstruktion der Musik wird visuell von einem dekonstruierten Bild begleitet.

Die Filmkollektion Free Radicals versammelt die beiden Kurzfilme "Das Sein und das Nichts" und Schein Sein von Bady Minck, die beide in Zusammenarbeit mit dem Klangforum Wien realisiert werden. Die Hauptdarsteller der Filme sind die Ensemblemitglieder des Klangforum Wien sowie der Komponist und Dirigent Beat Furrer.

 
   
    <<