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Im Vorwort wird das Buch zu Bady Mincks
Im Anfang war der Blick ganz unbescheiden vorgestellt als "ein
eigenständiges Ganzes, das Themen, Ideen, Anliegen des Films aufnimmt,
weiterträgt, verwandelt". Das ist nicht Anmaßung, sondern
angemessen: Schon Mincks schöner 45-Minüter – ein Animations-Spiel-Dokumentar-Poem
mit Postkarten-Montagen im Breakdance-Stakkato und der vermutlich magnetischsten
Zeitlupensequenz des neueren österreichischen Kinos – schöpfte
seine dahinmutierenden Formen aus der Anbindung an aktuelle Forschungen
zur österreichischen Landschaftsgeschichte: Co-Herausgeberin und
Nachhaltigkeitsforscherin Dumreicher hatte das Filmprojekt selbst mitinitieert
und wissenschaftlich beraten. Einige der Aufsätze im vorliegenden
Band führen nun vom Film zu den verarbeitenden Wissensfeldern zurück,
andere widmen sich en detail ästhetischen Teilaspekten, und einige
der besten (etwa die Beiträge von Sergio Fant oder Barbara Wurm)
gebrauchen Mincks Film als Sprungbrett in eigene Forschungen und Assoziationen.
Die Qualität der einzelnen Beiträge schwankt durchaus, aber
gerade in seiner Freude am Vielgestaltigen, Zerfledderten, auch Spinnerten
wird das Buch dem Film gerecht.
Joachim
Schätz, thegap 093, Wien, Februar 2009
Wundervoll, der Film, nein, das Buch, nein, gleich
mehrere, viele Filme, Bücher, Welten: Denn die werden durch diese
Publikation existenziell angeregt. Darin kommen viele zu Wort, aus den
unterschiedlichsten Kontexten, die sich an den Rändern von Kunst
und Wissenschaft finden. Oder dazwischen. Heidi Dumreicher, Bady Minck,
Burghart Schmidt oder Barbara Wurm... Als Leser/in erfährt man nochmals
die Genese eines Films, erfährt sie ganz nahe am eigenen, wird darüber
hinaus jedoch formal wie themenspezifisch verführt, weiter zu denken,
weiter zu filmen. Und das ist das Gute an diesem Projekt, dass es zirkuliert,
oszilliert weitab von Finalisierung oder gar Linearität. Ein schöner
Zugang in immer neuen Anläufen. Ein zeitgemäßer Zugang
mit stets anderen Spielarten. Verspielt und präzise zugleich. Ein
Buchtipp für Freunde des Spiel-, wie des Dokumentarfilms, der Dokufiktion,
des Experimentalfilms usw. Und für Bücherfreunde!
Petra Ganglbauer, www.gangway.net, Dezember 2008
Wie schreibt man angemessen über Filmbilder, ohne
sie dabei zu zerstören? Diese Frage wird besonders dann relevant,
wenn ein Film in seiner Form besonders rätselhaft wirkt, wenn Einzelbilder
und Montage vielfältige Bedeutungen produzieren. Nicht selten erscheinen
dann Aufsatzbände, die es sich unter Zuhilfenahme verschiedenster
Theorien zur langweiligen Aufgabe machen, einen Film zu enträtseln.
Das jüngst erschienene Buch Im Anfang war der Blick - Ereignishorizont
eines Films, das sich mit dem 2003 entstandenen, gleichnamigen Werk
der Filmemacherin Bady Minck beschäftigt, gehört erfreulicherweise
nicht dazu. Die Herausgeber Olaf Möller und Heidi Dumreicher nehmen
sich bereits im Vorwort folgenden Problems an: "Ein Buch zum Film
ist immer ein Ende dieses Films (...). Der Film soll, simpel gesagt, aufhören
zu wirken, Bedeutungen hervorzubringen." Daher, so die Herausgeber
weiter, müsse man bei einem Film wie Im Anfang war der Blick,
der sich in aufwändiger Weise mit der Beziehung zwischen Wort und
Bild beschäftigt, "den Wildwuchs der Sinnwertschöpfungen
pflegen", anstatt ihn zu stutzen. Ebendies versuchen Autorinnen und
Autoren, darunter die Filmemacherin selbst, in neunzehn Beiträgen.
Spannend liest sich etwa Christoph Hubers Aufsatz, in dem es dem Autor
auf schöne Weise gelingt, Ideen des Films weiterzuspinnen: Zeitlupenerfinder
August Musger, im Film durch eine Gedenktafel geehrt, dient als Anstoß
für eine Vielheit an Gedankensträngen, darunter Zeitlupe als
Mittel zur Konfrontation mit der Sterblichkeit bei Akira Kurosawa oder
das Verschwinden der österreichischen Erfinder in der Zeit. Ein Text
über einen Film sollte nicht bloß das Gesehene nacherzählen,
sondern auch selbst überraschen, Neues erzeugen. Das scheint, bis
auf wenige Beiträge, gelungen.
Tina Glaser, ray Filmmagazin, Wien, Februar 2009
Landschaft und Raum, Raum und Zeit, Zeit und Wahrheit,
Wahrheit und Sprache, Sprache und Mensch, Mensch und Landschaft…
Die Motive reihen sich aneinander, geben einander die Stichworte, drehen
sich im Kreis. Komplex und assoziativ, künstlerisch gestaltet und
wissenschaftlich gedacht wie der Film ist nun auch das Buch geraten, das
den Film weiter denkt, weiter führt und (im Kopf) weiter spinnen
lässt, nicht aber: weiter erklärt. Zum Glück nicht. Denn
nicht als nachgeschobene Erklärung für vielleicht nicht Verstandenes,
oder als nachgereichte Rechtfertigung für irritierend Experimentelles
präsentiert sich der rund 160 Seiten starke Band der Nachhaltigkeitsforscherin
Heidi Dumreicher und des Filmjournalisten Olaf Möller, der nun im
österreichischen Sonderzahl Verlag erschienen ist. So wie der Film
selbst seinen eigenen Weg durch den Film- und Kinobetrieb genommen hat,
so sucht auch die jetzt entstandene Publikation eine eigene Form. Sie
ist eben nicht schriftliches Making-Of oder Hintergrundbericht über
Technik, Dreharbeiten und zugehörige Anekdoten. Es ist ein Begleit-
und Weiterführungsbuch geworden, das in Form von Essays, persönlichen
Berichten, Gesprächen und Bildern Motive und Gedanken aus der Filmarbeit
aufgreift und weiterentwickelt. Es stellt dabei auch Beteiligte am Werk
vor, von der wissenschaftlichen Vor- und Mitdenkerin Heidi Dumreicher
über den dichtenden Darsteller Bodo Hell bis hin etwa zum Kurator
Sergio Fant. Entstanden ist ein erhellender Blick hinter die Kulissen,
aber auch der Kreis hin zum
Zuschauer wird geschlossen, wenn etwa der cinephile Philosoph Burghart
Schmidt mit Heidi Dumreicher und Bady Minck diskutiert und aus dem Blickwinkel
der Rezeption die Produktion neu beleuchtet. Im Gespräch begründet
die Filmemacherin noch einmal, weshalb sie ein scheinbar aufwändiges
Trickverfahren verwendet und sich nicht auf digitale Kniffe verlässt.
Amüsantes und scheinbar Nebensächliches kommt dennoch nicht
zu kurz, wenn ein Storyboard etwa Aufschluss gibt über das "Hügelcasting"
– und ein scheinbares Detail verrät, wie komplex, sorgfältig
und auch mit welchem Sinn für Humor Im Anfang war der Blick
gedacht und realisiert ist.
Irmgard Schmidmaier, Lëtzebuerger Land, 13. Februar
2009
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