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heidi dumreicher / olaf möller (hg.)
im anfang war der blick
ereignishorizont eines films
sonderzahl verlag 2008

presse

   
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Im Vorwort wird das Buch zu Bady Mincks Im Anfang war der Blick ganz unbescheiden vorgestellt als "ein eigenständiges Ganzes, das Themen, Ideen, Anliegen des Films aufnimmt, weiterträgt, verwandelt". Das ist nicht Anmaßung, sondern angemessen: Schon Mincks schöner 45-Minüter – ein Animations-Spiel-Dokumentar-Poem mit Postkarten-Montagen im Breakdance-Stakkato und der vermutlich magnetischsten Zeitlupensequenz des neueren österreichischen Kinos – schöpfte seine dahinmutierenden Formen aus der Anbindung an aktuelle Forschungen zur österreichischen Landschaftsgeschichte: Co-Herausgeberin und Nachhaltigkeitsforscherin Dumreicher hatte das Filmprojekt selbst mitinitieert und wissenschaftlich beraten. Einige der Aufsätze im vorliegenden Band führen nun vom Film zu den verarbeitenden Wissensfeldern zurück, andere widmen sich en detail ästhetischen Teilaspekten, und einige der besten (etwa die Beiträge von Sergio Fant oder Barbara Wurm) gebrauchen Mincks Film als Sprungbrett in eigene Forschungen und Assoziationen. Die Qualität der einzelnen Beiträge schwankt durchaus, aber gerade in seiner Freude am Vielgestaltigen, Zerfledderten, auch Spinnerten wird das Buch dem Film gerecht.

Joachim Schätz, thegap 093, Wien, Februar 2009


Wundervoll, der Film, nein, das Buch, nein, gleich mehrere, viele Filme, Bücher, Welten: Denn die werden durch diese Publikation existenziell angeregt. Darin kommen viele zu Wort, aus den unterschiedlichsten Kontexten, die sich an den Rändern von Kunst und Wissenschaft finden. Oder dazwischen. Heidi Dumreicher, Bady Minck, Burghart Schmidt oder Barbara Wurm... Als Leser/in erfährt man nochmals die Genese eines Films, erfährt sie ganz nahe am eigenen, wird darüber hinaus jedoch formal wie themenspezifisch verführt, weiter zu denken, weiter zu filmen. Und das ist das Gute an diesem Projekt, dass es zirkuliert, oszilliert weitab von Finalisierung oder gar Linearität. Ein schöner Zugang in immer neuen Anläufen. Ein zeitgemäßer Zugang mit stets anderen Spielarten. Verspielt und präzise zugleich. Ein Buchtipp für Freunde des Spiel-, wie des Dokumentarfilms, der Dokufiktion, des Experimentalfilms usw. Und für Bücherfreunde!

Petra Ganglbauer, www.gangway.net, Dezember 2008


Wie schreibt man angemessen über Filmbilder, ohne sie dabei zu zerstören? Diese Frage wird besonders dann relevant, wenn ein Film in seiner Form besonders rätselhaft wirkt, wenn Einzelbilder und Montage vielfältige Bedeutungen produzieren. Nicht selten erscheinen dann Aufsatzbände, die es sich unter Zuhilfenahme verschiedenster Theorien zur langweiligen Aufgabe machen, einen Film zu enträtseln. Das jüngst erschienene Buch Im Anfang war der Blick - Ereignishorizont eines Films, das sich mit dem 2003 entstandenen, gleichnamigen Werk der Filmemacherin Bady Minck beschäftigt, gehört erfreulicherweise nicht dazu. Die Herausgeber Olaf Möller und Heidi Dumreicher nehmen sich bereits im Vorwort folgenden Problems an: "Ein Buch zum Film ist immer ein Ende dieses Films (...). Der Film soll, simpel gesagt, aufhören zu wirken, Bedeutungen hervorzubringen." Daher, so die Herausgeber weiter, müsse man bei einem Film wie Im Anfang war der Blick, der sich in aufwändiger Weise mit der Beziehung zwischen Wort und Bild beschäftigt, "den Wildwuchs der Sinnwertschöpfungen pflegen", anstatt ihn zu stutzen. Ebendies versuchen Autorinnen und Autoren, darunter die Filmemacherin selbst, in neunzehn Beiträgen. Spannend liest sich etwa Christoph Hubers Aufsatz, in dem es dem Autor auf schöne Weise gelingt, Ideen des Films weiterzuspinnen: Zeitlupenerfinder August Musger, im Film durch eine Gedenktafel geehrt, dient als Anstoß für eine Vielheit an Gedankensträngen, darunter Zeitlupe als Mittel zur Konfrontation mit der Sterblichkeit bei Akira Kurosawa oder das Verschwinden der österreichischen Erfinder in der Zeit. Ein Text über einen Film sollte nicht bloß das Gesehene nacherzählen, sondern auch selbst überraschen, Neues erzeugen. Das scheint, bis auf wenige Beiträge, gelungen.

Tina Glaser, ray Filmmagazin, Wien, Februar 2009


Landschaft und Raum, Raum und Zeit, Zeit und Wahrheit, Wahrheit und Sprache, Sprache und Mensch, Mensch und Landschaft… Die Motive reihen sich aneinander, geben einander die Stichworte, drehen sich im Kreis. Komplex und assoziativ, künstlerisch gestaltet und wissenschaftlich gedacht wie der Film ist nun auch das Buch geraten, das den Film weiter denkt, weiter führt und (im Kopf) weiter spinnen lässt, nicht aber: weiter erklärt. Zum Glück nicht. Denn nicht als nachgeschobene Erklärung für vielleicht nicht Verstandenes, oder als nachgereichte Rechtfertigung für irritierend Experimentelles präsentiert sich der rund 160 Seiten starke Band der Nachhaltigkeitsforscherin Heidi Dumreicher und des Filmjournalisten Olaf Möller, der nun im österreichischen Sonderzahl Verlag erschienen ist. So wie der Film selbst seinen eigenen Weg durch den Film- und Kinobetrieb genommen hat, so sucht auch die jetzt entstandene Publikation eine eigene Form. Sie ist eben nicht schriftliches Making-Of oder Hintergrundbericht über Technik, Dreharbeiten und zugehörige Anekdoten. Es ist ein Begleit- und Weiterführungsbuch geworden, das in Form von Essays, persönlichen Berichten, Gesprächen und Bildern Motive und Gedanken aus der Filmarbeit aufgreift und weiterentwickelt. Es stellt dabei auch Beteiligte am Werk vor, von der wissenschaftlichen Vor- und Mitdenkerin Heidi Dumreicher über den dichtenden Darsteller Bodo Hell bis hin etwa zum Kurator Sergio Fant. Entstanden ist ein erhellender Blick hinter die Kulissen, aber auch der Kreis hin zum
Zuschauer wird geschlossen, wenn etwa der cinephile Philosoph Burghart Schmidt mit Heidi Dumreicher und Bady Minck diskutiert und aus dem Blickwinkel der Rezeption die Produktion neu beleuchtet. Im Gespräch begründet die Filmemacherin noch einmal, weshalb sie ein scheinbar aufwändiges Trickverfahren verwendet und sich nicht auf digitale Kniffe verlässt. Amüsantes und scheinbar Nebensächliches kommt dennoch nicht zu kurz, wenn ein Storyboard etwa Aufschluss gibt über das "Hügelcasting" – und ein scheinbares Detail verrät, wie komplex, sorgfältig und auch mit welchem Sinn für Humor Im Anfang war der Blick gedacht und realisiert ist.

Irmgard Schmidmaier, Lëtzebuerger Land, 13. Februar 2009

 

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